Der eid Evangelischer Immobilienverband Deutschland hat im März 2026 gemeinsam mit den Partnerinstitutionen ICG, dem Round Table Sakralbau und der Forschungsgruppe TRANSARA die Praxishandreichung „Kirche im Prozess“ veröffentlicht. Der Leitfaden bietet einen vierstufigen Fahrplan für die Transformation der bundesweit rund 160.000 kirchlichen Gebäude. Angesichts von 44.469 Sakralbauten, von denen gerade mal 13.871 als wirtschaftlich gelten, unterstützt das WerkKirchengemeinden dabei, gesellschaftliches Engagement und wirtschaftliche Nachhaltigkeit zu vereinen.
Sakralbauten prägen seit Jahrhunderten das Gesicht unserer Städte und Dörfer – sie sind gesellschaftliche Ankerpunkte und architektonisches Erbe zugleich. Doch dieses Erbe steht unter gewaltigem Druck: Sinkende Mitgliederzahlen und steigende Kosten zwingen viele Gemeinden dazu, ihre Immobilien radikal neu zu denken. In Deutschland existieren rund 160.000 kirchliche Gebäude, wobei besonders die 44.469 Sakralbauten eine enorme Herausforderung darstellen. Die Realität in den Gemeinden ist oft prekär: ein Pfarrer ist per Ausbildung Expertin oder Experte für Seelsorge und nicht für Immobilienbewirtschaftung.
Dennoch liegt die Last der Entscheidung über Erhalt oder Umnutzung meist bei lokalen Gremien, die diese hoch komplexen Prozesse steuern müssen. Genau hier setzt die am 27.März2026 vorgestellte Praxishandreichung „Kirche im Prozess“ an, um die nötige Professionalisierung direkt in die Gemeinden zu tragen.
Die Dringlichkeit wird durch nackte Zahlen untermauert: Von der Gesamtzahl der Kirchen gelten aktuell nur noch 13.871 als perspektivisch unterhaltbar. Da rund 89 % dieser Bauten unter Denkmalschutz stehen, sind klassische Sanierungskonzepte oft nicht anwendbar. Das Projekt, das vom eid Evangelischer Immobilienverband Deutschland gemeinsam mit dem Institut für Corporate Governance (ICG), dem Round Table Sakralbau und der wissenschaftlichen Begleitung durch TRANSARA (Universität Regensburg) realisiert wurde, will deshalb eine Brücke schlagen. Über den Ansatz des Social Impact Investing soll der gesellschaftliche Wert kirchlicher Räume messbar gemacht werden, um neue Partnerschaften mit der Immobilienwirtschaft auf Augenhöhe zu ermöglichen.
Der Handlungsleitfaden strukturiert diesen komplexen Wandel in vier Phasen:
Schritt1:Eine umfassende Ermittlung der Grundlagenermittlung der Stammdaten und baulichen Besonderheiten
Schritt 2: die Erfassung immaterieller Werte und die Entwicklung realistischer Zukunftsszenarien aus kirchlicher Sicht
Schritt 3: die detaillierte Ankaufsprüfung und Nutzungsplanung aus Sicht von Projektentwicklern
Schritt 4: die Zusammenführung beider Welten für eine gemeinsame tragfähige Entscheidung.
Damit erhalten auch Nicht-Fachleute in den Gemeinden die Sicherheit, den Transformationsprozess aktiv zu gestalten, statt nur auf Mangel zu reagieren.
„Die Transformation kirchlicher Immobilien ist nicht nur eine bauliche oder wirtschaftliche Aufgabe, sondern vor allem ein gesellschaftlicher Prozess“, erklärt Jannika Lange, Geschäftsführerin des eid. „Es braucht klare Strukturen, transparente Entscheidungswege und frühzeitige Beteiligung, um tragfähige Lösungen zu entwickeln, die sowohl den kirchlichen Werten als auch den Anforderungen der Immobilienwirtschaft gerecht werden.“
Mit innovativen Instrumenten wie einem „Trauerfahrplan“ zur Begleitung emotionaler Abschiede oder multikriteriellen Bewertungsverfahren hilft dieInitiative den Verantwortlichen, die Führung im Prozess zu behalten. Der eid positioniert sich dabei als Partner, der Gemeinden dabei unterstützt, ihre Sakralbauten nicht als Last, sondern als Chance für eine lebendigeQuartiersentwicklung zu begreifen.
Der eid Evangelischer Immobilienverband Deutschland wurde 1952 als Spitzenverband der evangelischen Wohnungswirtschaft in Deutschland gegründet.
Unternehmen, kirchliche Organisationen und Stiftungen sowie Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, der Wissenschaft und Praxis sind hier organisiert. Diese verstehen sich als Vertretung einer werteorientierten Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik sowie als immobilienwirtschaftlicher Kompetenzpartner für Kirche, Politik und Wirtschaft.
Die mmobilienrechtlichen Bildungs- und Vernetzungsformate des eid haben eine lange Tradition und gehören zu den renommiertesten Fachtagungen auf ihrem Gebiet. Sie stehen unter dem Motto „Partner im Gespräch“ und verbinden Wissenschaft und Praxis in besonderem Maße.
Kontakt
eid – Evangelischer Immobilienverband Deutschland
Heiko Senebald
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