Kunst gegen Kälte

Leipzig engagiert sich für Menschen ohne Zuhause

Kunst gegen Kälte: Leipzig engagiert sich für Menschen ohne Zuhause

Das Leipziger Kulturprojekt „fragil“ verbindet Kunst, Musik und gesellschaftliches Engagement mit konkreter Obdachlosenhilfe. Gemeinsam mit der internationalen Sheltersuit Foundation machen die Veranstalter auf die Situation von Menschen aufmerksam, die auf der Straße leben, und sammeln Spenden für wärmende Schutzanzüge. Höhepunkte sind ein Filmabend mit Podiumsdiskussion am 12. November, ein Konzert mit Vernissage am 20. November sowie ein Adventsmarkt mit Benefizauktion am 28. und 29. November.

Was passiert, wenn Sicherheiten wegbrechen? Wenn gesellschaftliche Strukturen, persönliche Lebensumstände oder vermeintliche Gewissheiten plötzlich ins Wanken geraten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das interdisziplinäre Kunstprojekt „fragil“, das der Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler Leipzig e. V. (BBK Leipzig) gemeinsam mit zahlreichen Partnern ins Leben gerufen hat. Elf bildende Künstlerinnen und Künstler, vier Komponisten sowie Akteure der digitalen Klangkunst setzen sich mit gesellschaftlichen, politischen, ökologischen und individuellen Veränderungsprozessen auseinander. Ihre Arbeiten machen sichtbar und hörbar, wie zerbrechlich vermeintliche Stabilität sein kann. Dabei geht es nicht nur um Kunst: Mit Spendenaktionen unterstützt das Projekt die internationale Sheltersuit Foundation, die Menschen ohne Obdach mit wetterfesten Schutzanzügen versorgt.

Filmabend über das Leben auf der Straße

Am Donnerstag, den 12. November um 19 Uhr steht im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig die Lebensrealität obdachloser Menschen im Mittelpunkt. Gezeigt wird der 30-minütige Dokumentarfilm „Leben und Sterben auf der Straße“ von Daniel Tautz. Ein Jahr lang hat der Filmemacher Menschen ohne festen Wohnsitz in Halle an der Saale begleitet und ihren täglichen Kampf um Nahrung, Schlafplätze und gesellschaftliche Anerkennung dokumentiert. Im anschließenden Gespräch diskutieren Tautz, Carina Eijsink von der Sheltersuit Foundation, Leipzigs Sozialbürgermeisterin Dr. Martina Münch und David Strübing vom Busprojekt Vierjahreszeiten über Obdachlosigkeit und konkrete Hilfsmöglichkeiten. Moderiert wird die Veranstaltung von der Journalistin Jana Kieseyer. Außerdem werden Sheltersuits vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

Kunst und Musik für den guten Zweck

Am 20. November wird das Projekt mit einem Konzert des Ensembles El Perro Andaluz und einer anschließenden Vernissage in der Galerie hochdruckpartner in der Lützner Straße 85 fortgesetzt. Das Konzert beginnt um 19 Uhr, die Ausstellungseröffnung um 20 Uhr. Zu hören sind Kompositionen von Diana Cemeryte, Carsten Hennig, Christian Kram und Knut Müller.Ein weiterer Höhepunkt folgt am 28. und 29. November beim Adventsmarkt im Kulturhof Gohlis in der Eisenacher Straße 72. Dort werden im Rahmen einer stillen Auktion und weiterer Spendenaktionen Mittel für Sheltersuits gesammelt, die anschließend obdachlosen Menschen in Leipzig zugutekommen sollen. Besucherinnen und Besucher können sich zudem über die Schutzanzüge und die Arbeit der Foundation informieren. Der Adventsmarkt ist am Samstag von 13 bis 20 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Die Verteilung der finanzierten Sheltersuits erfolgt in Zusammenarbeit mit lokalen Hilfsorganisationen, darunter der Johanniter-Hilfsgemeinschaft Leipzig.

Mehr als 40.000 Schutzprodukte für Menschen in Not

Die Sheltersuit Foundation wurde 2014 vom niederländischen Modedesigner Bas Timmer gegründet. Auslöser war der Kältetod des obdachlosen Vaters eines Freundes. Timmer entwickelte daraufhin einen Schutzanzug, der Menschen, die im Freien schlafen müssen, Wärme und Schutz vor den Elementen bietet. Aus der Idee ist inzwischen eine international tätige Hilfsorganisation geworden, die in Europa, Großbritannien, Südafrika und den USA aktiv ist. Seit ihrer Gründung hat die Foundation weltweit bereits mehr als 40.000 Sheltersuits und Shelterbags produziert und über Hilfsorganisationen an Menschen in Not verteilt. Allein in Deutschland wurden im Winter 2024/2025 in Zusammenarbeit mit den Johanniter-Hilfsgemeinschaften mehr als 1.000 Sheltersuits an rund 40 Standorten bereitgestellt.

Ein Sheltersuit ist eine Kombination aus einer warmen, wind- und wasserdichten Jacke und einem abnehmbaren Schlafsack, der sich per Reißverschluss mit der Jacke verbinden lässt. So entsteht ein tragbarer Schutzanzug für Menschen, die auch bei eisigen Temperaturen im Freien übernachten müssen. Für die Herstellung verwendet die Foundation unter anderem wiederverwertete Materialien.

Genäht werden die Produkte in sozialen Werkstätten, die Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt neue Perspektiven eröffnen. Die Schutzanzüge werden über lokale Hilfsorganisationen kostenlos an Bedürftige verteilt. Sie ersetzen keine Wohnung, können aber in akuten Notsituationen lebenswichtigen Schutz bieten.

Mit „fragil“ verbinden die Leipziger Projektpartner künstlerische Auseinandersetzung und ganz praktische Solidarität. Die Spenden aus den Veranstaltungen sollen dazu beitragen, dass Menschen ohne Obdach in Leipzig in diesem Winter besser vor Kälte und Nässe geschützt sind.Weitere Informationen: www.sheltersuit.de | www.bbkl.org

Hintergrund:
Die Sheltersuit Foundation ist eine Non-Profit-Organisation des niederländischen Designers Bas Timmer, die 2014 in Enschede mit dem Ziel gegründet wurde, wirkungsvolle Produkte zu entwickeln, die Menschen warmhalten und schützen: den Sheltersuit und den Shelterbag. Diese werden kostenlos an Obdachlose, Flüchtlinge und Opfer von Naturkatastrophen auf der ganzen Welt verteilt. Sie werden aus upgecycelten Materialien von talentierten Menschen einer eigenen sozialen Fabrik hergestellt. Durch die enge Zusammenarbeit mit lokalen Hilfsorganisationen soll die Kluft zwischen Bedürftigen und Hilfsbereiten überbrückt werden. Die Sheltersuit Foundation ist unter dem Motto „People Helping People“ in Europa, Großbritannien, Südafrika und den Vereinigten Staaten aktiv. Mehr Infos auf https://sheltersuit.com/ukraine

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Bildquelle: Sheltersuit Foundation

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