Finanzexperte Ullrich Angersbach zeigt, weshalb hohe Bonität nicht vor Kursverlusten schützt – und welche Konsequenzen sich daraus für Anleger und ihre Vermögensstrategie ergeben.
München, Oktober 2026. Staatsanleihen gelten traditionell als sicherer Bestandteil einer konservativen Geldanlage. Doch die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, wie trügerisch diese Einschätzung sein kann. Selbst Anleihen von Staaten mit hoher Kreditwürdigkeit können erhebliche Kursverluste verursachen. Der Diplom-Kaufmann und Finanzexperte Ullrich Angersbach analysiert die Hintergründe dieser Entwicklung und macht auf einen grundlegenden Unterschied aufmerksam: Die Sicherheit einer Rückzahlung ist nicht mit der Stabilität des Marktwerts gleichzusetzen.
Wie aus sicheren Anleihen ein unterschätztes Risiko wurde
Über Jahrzehnte profitierten die internationalen Anleihemärkte von sinkenden Zinsen. Besonders die expansive Geldpolitik nach der Finanzkrise 2008 und die anschließenden Anleihekaufprogramme der Zentralbanken begünstigten steigende Anleihekurse.
Gleichzeitig sanken die Renditen vieler Staatsanleihen auf historische Tiefstände, teilweise sogar unter null. Wer in dieser Phase langfristige Anleihen kaufte, akzeptierte geringe laufende Erträge und setzte sich zugleich erheblichen Risiken für den Fall steigender Marktzinsen aus.
Mit der Zinswende ab 2022 änderten sich die Rahmenbedingungen grundlegend. Die Kurse vieler bestehender Anleihen gerieten unter Druck. Das zuvor aufgebaute Zinsänderungsrisiko wurde sichtbar.
Ullrich Angersbach untersucht diese Entwicklung unter dem Begriff der Anleihenblase. Im Mittelpunkt seiner Analyse steht die Frage, in welchem Umfang die langjährige Niedrigzinspolitik zu Bewertungen geführt hat, deren Risiken von Anlegern unterschätzt wurden.
Das eigentliche Problem: Bonität schützt nicht vor Kursverlusten
Eine hohe Bonität bedeutet, dass das Risiko eines Zahlungsausfalls als vergleichsweise gering eingeschätzt wird. Über die mögliche Wertentwicklung einer Anleihe während ihrer Laufzeit sagt sie jedoch wenig aus.
Steigen die Marktzinsen, verlieren bereits ausgegebene Anleihen mit niedriger Verzinsung an Attraktivität. Ihre Kurse sinken. Je länger ihre verbleibende Laufzeit und je höher ihre Zinssensitivität, desto ausgeprägter kann dieser Effekt ausfallen.
Ein vereinfachtes Beispiel verdeutlicht die Dimension: Bei einer modifizierten Duration von acht Jahren führt ein Anstieg der relevanten Marktrendite um einen Prozentpunkt rechnerisch zu einem Kursverlust von ungefähr acht Prozent. Es handelt sich um eine Näherung, nicht um eine sichere Prognose.
Das Beispiel macht deutlich, weshalb auch hochwertige Staatsanleihen innerhalb kurzer Zeit spürbar an Marktwert verlieren können.
Für Anleger ist deshalb entscheidend, zwischen drei unterschiedlichen Risiken zu unterscheiden: dem möglichen Zahlungsausfall, den Kursschwankungen während der Laufzeit und dem Verlust realer Kaufkraft durch Inflation.
Warum auch konservative Anlageportfolios betroffen sind
Die Problematik beschränkt sich keineswegs auf einzelne Staatsanleihen. Auch Rentenfonds, Anleihen-ETFs und klassische Mischfonds können erhebliche Zinsänderungsrisiken enthalten.
Zwar reduziert eine breite Streuung die Abhängigkeit von einzelnen Schuldnern. Sie beseitigt jedoch nicht das gemeinsame Risiko steigender Marktzinsen.
Hinzu kommt ein struktureller Unterschied: Während eine einzelne Anleihe bei entsprechender Zahlungsfähigkeit des Emittenten bis zu ihrer Fälligkeit gehalten werden kann und dann grundsätzlich zum vereinbarten Nennwert zurückgezahlt wird, verfügen viele Rentenfonds über keine einheitliche Endfälligkeit. Ihre Wertentwicklung hängt fortlaufend von den enthaltenen Wertpapieren und den Marktbedingungen ab.
Die Erfahrungen der Zinswende werfen deshalb eine grundsätzliche Frage auf: Wie defensiv ist ein Portfolio tatsächlich, wenn ein vermeintlich stabiler Bestandteil bei veränderten Zinsen erhebliche Kursverluste erleiden kann?
Gerade für langfristig orientierte Anleger reicht es nicht aus, Anlageklassen allein anhand traditioneller Kategorien wie sicher, konservativ oder risikoreich zu beurteilen.
Die Anleihenblase ist auch ein Problem der Staatsfinanzen
Eine weitere Dimension ergibt sich aus der hohen Verschuldung zahlreicher Industriestaaten.
Während die langjährige Niedrigzinsphase die Finanzierung öffentlicher Haushalte erleichterte, können höhere Refinanzierungszinsen die zukünftige Zinsbelastung steigern. Dieser Effekt tritt insbesondere dann ein, wenn auslaufende Schulden durch neue Anleihen zu ungünstigeren Konditionen ersetzt werden müssen.
Die Entwicklung der Anleihemärkte steht damit in engem Zusammenhang mit der Geldpolitik der Zentralbanken, den öffentlichen Haushalten und der langfristigen Stabilität des Finanzsystems.
Die Deutsche Bundesbank hat bereits auf die Wechselwirkungen zwischen Zentralbankkäufen, Staatsfinanzen und Zinsänderungsrisiken hingewiesen.
Was Anleger aus der Zinswende lernen können
Die Analyse von Ullrich Angersbach führt nicht zu dem Schluss, dass Anleihen grundsätzlich ungeeignet wären. Vielmehr zeigt sie, weshalb deren Risiken differenziert betrachtet werden müssen.
Festverzinsliche Wertpapiere können weiterhin eine wichtige Funktion beim Vermögensaufbau und bei der Risikostreuung erfüllen. Entscheidend ist jedoch, zu welchen Konditionen sie erworben werden, wie lange das Kapital gebunden ist und welche Zinsschwankungen während der Haltedauer möglich sind.
Neben der Bonität des Emittenten sollten Anleger deshalb insbesondere die Duration, die tatsächliche Rendite bis zur Fälligkeit, das Inflationsrisiko sowie die Struktur des gesamten Anlageportfolios berücksichtigen.
Die zentrale Erkenntnis lautet: Eine Anlage kann hinsichtlich ihrer Rückzahlung vergleichsweise sicher sein und dennoch erhebliche zwischenzeitliche Kursverluste verursachen.
Wer langfristig Vermögen erhalten möchte, muss diese Unterschiede verstehen und bei seinen Anlageentscheidungen berücksichtigen.
Ullrich Angersbach analysiert die strukturellen Risiken der Anleihemärkte
Ullrich Angersbach verfügt über mehr als vier Jahrzehnte Erfahrung in der Finanzbranche. Seine beruflichen Stationen umfassen unter anderem die bankenunabhängige Vermögensverwaltung, den internationalen Fondsvertrieb und den Family-Office-Bereich.
In seinen Fachanalysen beschäftigt er sich mit den langfristigen Zusammenhängen zwischen Geldpolitik, Kapitalmärkten und Vermögensstrategien.
Seine ausführliche Untersuchung zur Anleihenblase erläutert die historischen Ursachen, die Wirkung der Zinswende und die Konsequenzen für Anleger und Staaten.
Die vollständige Fachanalyse von Ullrich Angersbach:
https://www.ullrich-angersbach-anleihenblase.de/
Über Ullrich Angersbach
Ullrich Angersbach ist Diplom-Kaufmann und seit über 40 Jahren in der Finanzbranche tätig. Seit 2008 arbeitet er als unabhängiger Marketing-Coach und Berater für Fondsanbieter, Vermögensverwalter und Finanzdienstleister.
Er veröffentlicht Fachanalysen zu Aktien, Anleihen, Edelmetallen, Geldpolitik und langfristigen Investmentstrategien. Im Mittelpunkt stehen die verständliche Einordnung wirtschaftlicher Zusammenhänge und die kritische Betrachtung von Chancen und Risiken an den Kapitalmärkten.
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Ullrich Angersbach ist Diplom-Kaufmann, Finanzexperte, Buchautor und Marketing-Coach für Finanzdienstleister. Ullrich Angersbach beschäftigt sich seit mehr als vierzig Jahren mit Kapitalmärkten, Vermögensaufbau, Investmentstrategien und wirtschaftlichen Entwicklungen. Seine Fachartikel und Veröffentlichungen behandeln unter anderem die Themen Börsencrash, Finanzkrise, Portfolioaufbau, Risikomanagement, Goldpreisentwicklung, Zentralbanken und langfristige Kapitalmarktstrategien.
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